Angst macht einsam


Was machen diese die Worte mit dir? Was fühlst du? Entspricht dies der Wahrheit oder versetzen sie dich vielleicht sogar in Angst? Eine sehr weise Frau hat mir diese Worte zugeflüstert und seither gehen sie mir nicht mehr aus dem Kopf.

Ich weiss nicht, was das mit dir macht, aber ich kann dir sagen, was es mit mir macht: In den letzten Wochen habe ich meine Vergangenheit durchforstet, nicht um mir weh zu tun. Sondern um mir meiner Verhaltensmuster bewusst zu werden.

Angst macht einsam….

In meiner Kindheit befürchtete ich stets, nicht dazuzugehören.

Ich bin in einem kleinen Dorf in Bayern aufgewachsen. Ich bin dort nicht geboren, sondern mit 6 Jahren hingezogen. Wie das in so einem kleinen Dorf ist, gehört man unter diesen Umständen einfach nicht dazu. Wobei ich heute nicht einmal weiß, ob das wirklich so war. Ich habe es damals einfach so empfunden. Und irgendwie war ich schon immer ein bisschen anders als die anderen. Aber ich wollte dazu gehören, Freunde um mich haben und anerkannt werden. In dieser Zeit ist mir die Angst sehr oft begegnet: Ich war bei jeder Schlägerei auf dem Pausenhof dabei und meine Eltern mussten so manches Mal zum Rektor. Angst ausgestoßen zu werden, Furcht nicht dazuzugehören und Panik alleine zu sein. Rückblickend kann ich von meiner Kindheit und Jugend sagen, dass ich wohlbehütet aufwachsen durfte, mit allen Höhen und Tiefen. Damals jedoch empfand ich das natürlich nicht so.

Mein Heranwachsen hingegen gestaltete sich – aus heutiger Sicht – eher als schwierig. So fragte ich mich: Wo war mir Bange im Leben, wo war es berechtigt und wo hat mich meine Angst behindert und gelähmt? Ist es wirklich die Furcht, die uns in unserem Leben einschränkt oder steckt da mehr dahinter? Wovor habe ich denn wirklich Angst? Was passiert, wenn ich durch sie gehe?

Wie bereits in meiner Kindheit bestand auch als Erwachsener meine grösste Sorge immer darin, dass ich das Gefühl hatte nirgends dazuzugehören. Ich fühlte mich als Aussenseiter und hab das teilweise durch meine Ego-Schiene kompensiert. Manchmal stellte ich mich gar selbst so ins Zentrum, dass ich im übertragenen Sinn über Leichen ging–wie man so schön in Bayern sagt. Ich bin da nicht stolz drauf, aber damals wusste ich es einfach nicht besser. Ich habe mir Jobs gesucht, wo ich die Anerkennung bekam, ohne dass ich mich dafür hätte anstrengen müssen.

Ich ging nicht durch meine Angst.

Dieser eine letzte Schritt, der dazu nötig gewesen wäre…. Ich bin ihn nicht gegangen. Ich hab mich lieber durch Alkohol davon abgehalten lassen und bin davon gerannt. Komischerweise hat mich mein Leben immer wieder mit dergleichen Situation konfrontiert. Doch anstelle mich meinen Befürchtigungen zu stellen, bin ich nach Bonn gezogen, nach Regensburg geflüchtet und lebe jetzt seit fast 10 Jahren in der Schweiz. Doch egal wo ich hingegangen bin, die Angst hat mich immer wieder eingeholt. Sie hat mir stets wieder eine Chance geboten, mich mit ihr auseinander zu setzen.

Angst kann auch ein Antrieb sein.

Angst ist meiner Meinung nach auch ein Antrieb. Ein Antrieb der dich auffordern, sich seinem Leben zu stellen und schlussendlich, dir deine Kraft, deine Seelen Anteile und dein Geschenk abzuholen.

Wegen meiner Angst nicht dazuzugehören, konnte ich lange nicht zu mir stehen: Nicht zu meinem Wesen, zu meinem großen Herz und zu meinen heilenden Händen – schlussendlich zu meinem anders sein. Ich empfinde anders, ich sehe die Dinge anders. Nicht besser, anders halt einfach.

 

Angst macht einsam….

Nicht nur in der Beziehung zu anderen Menschen, sondern auch in der Beziehung zu sich selbst.

 

Vor 4 Jahren habe ich damit angefangen, meine Angst anzunehmen. Auch aus der Situation heraus, dass meine Depressionen immer schlimmer wurden. Ich habe ein schamanisches Einweihungs-Ritual (Narim Gut) gemacht und mich dabei wiederentdeckt. Ich habe mich an das erinnert, was mich wirklich ausmacht und wer ich wirklich bin.

Ich kann mich noch genau an das Ritual erinnern, es hat 12 Stunden gedauert und ich musste verschiedene Aufgaben erfüllen. Ich wusste nicht welche Aufgaben das sein werden und was schlussendlich dabei rauskommt. Ich wusste nur, dass jetzt der Augenblick gekommen war, mich meiner Angst zu stellen. Zu wissen, dass sie da ist, hat mir in dem Augenblick sehr geholfen, weil sie mich daran erinnert hat, dass es Zeit ist sich zu zeigen. Mir ist es in dem Augenblick auch nicht darum gegangen, ob ich das Ritual bestehe. Es ist nur darum gegangen, dass ich es mache, mich meiner Angst stelle und durchgehe.

Ich bin diesen Schritt gegangen und es war so befreiend! Ich kann das gar nicht so richtig in Worte fassen. Es war, als wenn ich in tausend Stücke zerspringe und wieder neu zusammen gesetzt werde. Ein unbeschreibliches Gefühl der Freiheit.

 

Wenn du aber in der Angst verweilst und den letzten Schritt nicht gehst, wirst du nie die Antworten auf deine Fragen erhalten. Was wäre gewesen wenn?

 

Da sind aber noch andere Aspekte, die ich heute ans Tageslicht rücken will.

Ich schreibe sehr gerne, habe mich aber nie getraut, weil die Rechtschreibung nicht gerade mein Freund ist. Ich bin Legastheniker und habe mich immer dafür geschämt. Ich kam mir immer dumm vor, nicht richtig schreiben zu können. Ich bin immer noch Legastheniker, das hindert mich aber nicht mehr daran, meinen Blog zu schreiben. Nein, ich habe mir jemanden gesucht, der meine Texte ins Reine bringt und somit kann ich nach Herzenslust schreiben und euch an meinen Gedanken teilhaben lassen. Das ist so schön und befreiend.

Ich glaube an Gott und an Jesus Christus